Journalistische Tugenden und Pioniergeist im Netz

media coffee - news aktuell

media coffee - news aktuell

Foto: Birte Arnold
© news aktuell GmbH

Ein Rezept für langfristig erfolgreiches Arbeiten von Medienunternehmen ist die Rückbesinnung auf journalistische Tugenden bei gleichzeitiger intensiver Beschäftigung mit den neuen Informationsplattformen im Internet.

So lautet ein Fazit des media coffees der dpa-Tochter news aktuell. Knapp 250 Pressesprecher, PR-Fachleute und Journalisten waren am 6. Mai 2010 im Frankfurter Museum für Kommunikation Gäste bei der Diskussionsreihe “Kommunikation 2020 - Aufbruch in ein neues Informationszeitalter?”.

Wolfgang Büchner, Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur dpa, riet den Medien dazu, sich insgesamt stärker über Qualität zu definieren: “Ich glaube an spannende Geschichten und starke Marken. Die Anforderung unserer Kunden ist es, die Agentur als Goldmine zu nutzen, aus der man sich eigene Dinge heraussucht.”

Rezepte für die erfolgreiche Zukunft von Medienunternehmen

Ein Großteil der Links im Internet führe heute, so Wolfgang Büchner, zu den Inhalten der klassischen Medienmarken. Es sei daher wichtig, auch in Zukunft Mut zur Qualität und zur Recherche zu haben und sich auf die journalistischen Tugenden rückzubesinnen.

Trotzdem plädierte der Chefredakteur von Deutschlands führender Nachrichtenagentur dafür, dass Journalisten sich die Instrumente des Web 2.0 aneignen müssten. “Twitter ist ein Seismograph und bietet einen schnellen Überblick über Themen und Themenkonjunkturen. Ein tolles Korrektiv für unsere Arbeit,” meinte Büchner.

Ebenfalls sehr aufgeschlossen gegenüber Social Media zeigte sich Chefredakteur Christian Lindner von der Rhein-Zeitung. Trotzdem sieht er auch künftig Chancen für gut gemachte Tageszeitungen in Papierform: “Neben zehn iPads haben wir zwei neue Druckmaschinen gekauft. Wir glauben an die Zukunft von Print”.

Seine Redaktion lebe in ständiger Herausforderung, nicht in ständiger Angst vor der Zukunft. Medien müssten jedoch stärker als bisher dialogbereit sein. Lindner, der als einer der wenigen deutschen Chefredakteure selbst aktiv twittert und bloggt, sieht Journalisten zunehmend als Dialogmanager, die auch unabhängig vom Medium in direkten Austausch mit dem Publikum treten. “Wie kriege ich es hin, nicht von Aldi sondern von der Akzeptanz meiner Leser abhängig zu sein”, brachte es der Chef der Rhein-Zeitung auf den Punkt.

Ulrike Langer, freie Journalistin und Bloggerin, prognostiziert eine zunehmende Fragmentierung des Publikums. “Wir werden es einerseits mit einem Teil der Bevölkerung zu tun haben, der sich nur noch berieseln lässt. Andererseits wird sich eine Informationselite herausbilden, die sich aktiv beteiligen möchte und die Medien zu Höchstleistungen auffordert.” Die Kluft zwischen “Informationspräkariat” und einem gebildeten anspruchsvollen Dialogpartner werde in Zukunft immer tiefer werden.

Außerdem riet Ulrike Langer den Medien dazu, sich vom “alten Portal-Denken” zu verabschieden. “Man muss sich als Marke verteilen. Dahin gehen wo die Nutzer sind. Wenn die auf Facebook sind, geht man da auch hin”, so Langer.

Der Werber Klaus Flettner von der Agentur Change Communication sieht eine immer stärkere Fragmentierung des Medienmarktes. “Ich sehe ein klares Revival von Special Interest-Angeboten”, so Flettner, der gleichzeitig auch Präsident des Kommunikationsverbandes Deutschland ist. Es entspreche nun mal dem Menschen, sich sehr individuell mit seinen Thematiken auseinander zu setzen. “Je individueller wir unser Leben gestalten, desto mehr wollen wir auf individualisierte Informationsangebote zugreifen”.

zur Startseite plantor.de

Kommentare

Schreibe einen Kommentar