Opel - ein Schurkenstück oder die Chance des Scheiterns?

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General Motors (GM) will Opel nicht an Magna verkaufen. Der Verwaltungsrat von GM hat beschlossen, das deutsche Tochterunternehmen Opel zu behalten und selbst zu sanieren. GM fordert von der Politik und den Arbeitnehmern, sich an der Sanierung des Unternehmens zu beteiligen, andernfalls könne auch eine Insolvenz nicht ausgeschlossen werden.

Die vermeintliche Opel-Rettung vor der Wahl wird so zu einer Fortsetzungsgeschichte. Insbesondere das Opel-Werk in Bochum gerät erneut ins Blickfeld, denn in Nordrhein-Westfalen finden im kommenden Jahr Landtagswahlen statt. Das dürfte in Detroit bekannt und einkalkuliert sein. In jedem Fall wird Opel schrumpfen und viele Arbeitsplätze verlieren. Es wird Kündigungen, Schließungen und Verlagerungen geben.

Der Chef der Ford-Werke GmbH in Köln, Bernhard Mattes, warnt vor neuen Hilfen für Opel: “Es muss sichergestellt sein, dass die Wettbewerbschancen durch die Unterstützung einzelner Unternehmen nicht eingeschränkt werden.” Mattes sagte der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post”: “Der Zugang für Unternehmen zu direkter finanzieller Unterstützung muss auf nationaler Ebene für alle Hersteller gleichermaßen gegeben sein.”

Steinmeier fordert ein Standort- und Beschäftigungssicherungskonzept

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Frank-Walter Steinmeier bezeichnet die Entscheidung von General Motors als “eine Unverschämtheit”. An dem Tag, an dem Angela Merkel in Washington die deutsch-amerikanische Freundschaft beschworen habe, stelle der GM-Verwaltungsrat die Zukunft der Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland grundlegend infrage.

In monatelangen Verhandlungen sei ein tragfähiges Konzept entstanden.

GM habe den Regierungswechsel in Deutschland und die Ablehnung der Rettung der Arbeitsplätze durch die FDP genutzt, um die Entwicklung zurückzudrehen. Zehntausende von Opelanern müssten jetzt wieder um ihre Zukunft bangen.

Steinmeier: “Ich fordere die Bundeskanzlerin und das Kabinett auf, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jetzt nicht im Stich zu lassen. Es muss jetzt schleunigst ein Standort- und Beschäftigungssicherungskonzept für Opel vorgelegt werden.”

“Die Bundesregierung hat bei Opel auf ganzer Linie versagt”, kritisiert der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Gregor Gysi, nach der Entscheidung des Mutterkonzerns General Motors, den angeschlagenen Autobauer nicht zu verkaufen.

Gregor Gysi: “Anfang Mai haben Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Steinmeier mit großem Tamtam die Rettung Opels durch den Verkauf an Magna verkündet. Heute zeigt sich, dass das reine Sprechblasen vor der Wahl waren, die jetzt geplatzt sind.

Die Opelmitarbeiter seien wie die Wähler wohl getäuscht worden. Gysi: “Es war ein schwerer Fehler, 4,5 Milliarden Euro an Bürgschaften zuzusagen, ohne sich im Gegenzug weitreichende Eigentums- und Mitspracherechte zu sichern. Damit läuft die Bundesregierung nun Gefahr, den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen auch noch mit Milliarden an öffentlichen Geldern zu subventionieren.”

Die Bundesregierung habe jetzt die Wahl: “Entweder macht sie gute Miene zum bösen Spiel von GM oder sie nutzt die öffentlichen Gelder, um Opel in öffentliche Hände zu überführen und unter die gemeinsame Kontrolle von Bund, Ländern und Belegschaften zu stellen.”

Schuster, bleib bei deinem Leisten

Die neue schwarz-gelbe Koalition steht vor dem Scherbenhaufen der großen Koalition, sie hat nun die Pflicht und Schuldigkeit, bei der Opel-Rettung noch einmal ganz von vorne anzufangen. Sprechblasen und gut gemeinte Absichtserklärungen sind nicht gefragt, Bundesregierung und Parlament müssen Verantwortung übernehmen, nicht Sündenböcke suchen.

Aus den Fehlern der Vergangenheit ist zu lernen: Eine Wirtschaftspolitik des Einzelfalls ist eine Wirtschaftspolitik der Willkür. Vorschnelle Festlegungen machen erpressbar. Harte Verhandlungen sind besser als weiche Ergebnisse. Auch andere Partner haben eigene Interessen.

Es ist das gute Recht von General Motors, Opel behalten zu wollen. Opel gehört seit 1929 zum US-amerikanischen Automobilkonzern GM. Wilhelm von Opel und sein Bruder Friedrich Opel verkauften zunächst 80 Prozent der Unternehmensanteile an GM. Bis 1931 übernahm GM das Unternehmen dann vollständig. Die Weltwirtschaftskrise war der Hauptgrund für den Verkauf.

Nun besteht die Chance, dass Opel - bei allen notwendigen und auch schmerzhaften Anpassungserfordernissen - stabil fortgeführt wird. Dass sich der Wunscheigentümer der Politik, Magna, als der bessere Automacher erwiesen hätte, ist unwahrscheinlich. Zwar ist Magna International nicht nur Automobilzulieferer und -entwickler, sondern baut auch fertige Fahrzeuge, doch noch nie wurde ein Auto unter einer eigenen Marke gebaut.

Opel hat zehn Fabriken in Europa, der erfolgreichere Ford-Konzern nur sieben. GM hat jetzt die Chance, Opel zu sanieren und in das Unternehmen zu investieren. Gute, benzinsparende und kostengünstige Autos braucht der Markt in Zeiten der Klima- und Wirtschaftskrise. Magna wollte der Politik gefallen, Opel muss dem Käufer gefallen.

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Kommentare

2 Kommentare zu “Opel - ein Schurkenstück oder die Chance des Scheiterns?”

  1. » » Webnews.de am November 5th, 2009 04:47

    Opel

    Die Koalition muss bei der Opel-Rettung noch einmal ganz von vorne anfangen. Sprechblasen und gut gemeinte Absichtserklärungen sind nicht gefragt, die Bundesregierung muss Verantwortung übernehmen, nicht Sündenböcke suchen. Denn nun besteht die Chance, dass Opel stabil fortgeführt wird.

  2. » » Twitter am November 5th, 2009 05:19

    […] Opel […]

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