Konjunkturprognosen - Kompass oder Panikmache?
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Kompass |
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| © plumbe / PIXELIO |
Drei Prozent, vier Prozent - oder vielleicht sogar sieben Prozent minus im Jahr 2009? “Wer bietet mehr?”, könnte der Wettlauf um das schlimmste Szenario betitelt werden, meint die Neue Osnabrücker Zeitung. Doch obwohl diese Zahlen ernst zu nehmen seien: Kein Experte habe eine Glaskugel, in der er die Zukunft sehen könne.
Wie sich die Krise genau auswirken werde, das wisse niemand - und oft genug hätten die Prognostiker in der Vergangenheit geirrt.
Als Anhalt für politische und wirtschaftliche Weichenstellungen seien die Expertisen nützlich. Doch die von den Wissenschaftlern geäußerten, immer pessimistischeren Erwartungen könnten auch zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.
Konjunkturprognosen sind keine Hexerei
Die Rheinische Post glaubt, dass sich die Forscher einen Wettlauf um die düsterste Wirtschaftsprognose liefern.
Vor allem zwei Banken täten sich hervor: “Die Deutsche Bank erwartet ein Minus von über fünf Prozent, die Commerzbank hält sieben Prozent für möglich. Man könnte meinen, dass deren Chefvolkswirte mit ihren Horror-Prognosen von den Horror-Verlusten ablenken wollen, die ihre Kollegen im eigentlichen Bank-Geschäft produziert haben.”
Die Zeitung meint: “Forscher leiten aus den normalen Zusammenhängen etwa zwischen Aufträgen und Wachstum in der Vergangenheit eine Vorhersage für die Zukunft ab. Nur: Diese Krise ist nicht normal. Sie ist historisch einmalig, weil weltweit Wirtschaft und Kreditvergabe eingebrochen sind. Dafür können die Forscher nichts. Für den verantwortungslosen Umgang mit der Lage aber schon.”
Statt die vorsichtigste Prognose zu nennen, verkündeten viele lieber die Variante, die dicke Schlagzeilen bringe. Wer den Deutschen nur lange genug sage, dass bald nichts mehr gehe, werde auch noch die leidlich laufende Konsumnachfrage abwürgen: “Dann wird am Ende tatsächlich nichts mehr gehen. Sich selbst erfüllende Prophezeiung, heißt das. Auf solche Propheten verzichten wir gerne.”
Wirtschaftliche Horrormeldungen prägen auch Erwartungen
Vor einigen Monaten hätten wir uns in einem fast leeren Restaurant nur unbeschwert über die volle Aufmerksamkeit des Service gefreut, so die Westdeutsche Zeitung.
Dass die meisten heute pessimistischer gestimmt seien, viele Angst um die Existenz erlebten, habe neben persönlichen Erlebnissen viel mit den sich fast täglich überbietenden Negativprognosen von Ökonomen zu tun: “Sie haben tendenziell sicherlich recht, dieses Jahr wird extrem schwer.”
Dafür gebe es eindeutige Indizien, beispielsweise den Auftragsrückgang von über 40 Prozent beim Maschinenbau im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat. In vielen wichtigen Branchen sehe es nicht viel besser aus: “Wir sollten die Prognosen also sehr ernst nehmen, sie jedoch dennoch relativieren.”
Doch die Zeitung fragt auch: “Wie zuverlässig sind ihre jetzigen Vorhersagen?” Vor allem sollten wir uns nicht total bange machen lassen. Um unserer Psyche willen - und um die allgemeine wirtschaftliche Abwärtsspirale nicht weiter zu verstärken.
Dazu gehöre, auch positive Signale aufzunehmen: “So gibt es durchaus Menschen, die in der jetzigen Zeit gutes Geld verdienen und entsprechend optimistisch nach vorne blicken. Was übrigens gestern auch für Börsianer galt, bei denen der Leitindex 2,65 Prozent zulegte. Wenn wir der Erfahrung glauben, dass Börsenkurse wirtschaftliche Entwicklungen vorwegnehmen, ist das immerhin ein erfreuliches Signal, von einer Trendwende sind wir sicherlich noch weit entfernt.”
Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel hat sich gegenüber dem Weser Kurier zum Thema Konjunkturprognosen geäußert (23. März 2009, Auszug):
Rudolf Hickel hat Vorhersagen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland als “schlichtweg unverantwortlich” kritisiert.
“Diese Prognosen basieren mit ihren ökonometrischen Modellen auf Wissen beziehungsweise Verhaltensweisen, die vor der Krise erfasst und als stabil beschrieben worden sind. Die derzeitige Krise hat jedoch alle Prämissen und Verhaltensannahmen zusammenbrechen lassen”, sagt Hickel dem “Weser-Kurier” (Dienstag-Ausgabe) angesichts der Vorhersage der Commerzbank, das Wirtschaftswachstum könne um bis zu sieben Prozent zurückgehen.
“Erst hat uns die Beratungsökonomik zusammen mit den Chefökonomen der Banken viel zu optimistisch die Deregulierung der Finanzmärkte verkauft”, so Hickel weiter. “Jetzt wird nach dem Debakel der Charakter der Krise nicht begriffen.” Ihn ärgere vor allem die Gefahr der damit ausgelösten “Self-Fullfilling-Prophecy”: “Es kommt doch jetzt viel mehr darauf an, zu sagen, was zu tun ist, um den tiefen Absturz zu verhindern.”
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