Kommentare, Kolumnen, Interviews - Wirtschaft der Woche 16
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Tatort Wirtschaft |
| Foto: Gerd Altmann |
| © geralt / PIXELIO |
Ohne Bad Banks geht es nicht, davon ist Guido Bohsem im Kommentar auf sueddeutsche.de überzeugt. Von Quartal zu Quartal seien die Kreditinstitute gezwungen, ihre Ramschpapiere schlechter zu bewerten. Das reiße immer tiefere Löcher in die Bilanzen. Mit seinem Vorschlag über die Errichtung von dezentralen sogenannten Bad Banks habe Steinbrück nun eine neue Phase eingeläutet, und er versuche dabei ein Kunststück, eine möglichst hohe Entlastung der Banken durch eine möglichst geringe Belastung der Steuerzahler.
Hans-Ulrich Jörges glaubt in seiner Kolumne Zwischenruf: Ritt in die Apokalypse auf stern.de: “Statt dem Verhängnis, der großen Krise, gemeinsam zu widerstehen, redet sich Deutschland erst so richtig hinein - sie wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. ” Den Schwätzern folgten die Manager, sie würden dem Rotstift die Macht übergeben.
Die Sprecherin des amerikanischen Repräsentatenhauses hingegen, Nancy Pelosi, will Aufklärung. Das Wall Street Journal berichtet von ihrer Forderung nach einer Kommission des Kongresses, welche die Gründe für die Finanzkrise untersuchen soll.
Gibt die SPD den Kampf um die Mitte auf?
Jens Tartler sieht in seinem Kommentar für die Financial Times Deutschland die SPD als die “Getriebenen”. Mit ihrem Wahlprogramm gebe die SPD den Kampf um die Mitte auf.
Die Parteispitze biedere sich dem Zeitgeist und dem linken Flügel an. Nach der Wahl könne sie weggefegt werden. Reichensteuer, Börsenumsatzsteuer, Lohnsteuerbonus, Bildungssoli - das sei der Marsch nach links.
In Zeiten der Zumwinkels und Ackermänner möge das gut ankommen. Zweifelhaft sei, ob es als Regierungsprogramm schon ausreiche, die - oft berechtigte - Wut auf Eliten zu schüren, die ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht würden.
Jens Tartler: “Unter dem Eindruck der Finanzkrise und getrieben von der Linkspartei macht die SPD die politische Mitte frei. Sie wirbt nicht mehr um die Leistungsträger wie Ingenieure und Anwälte, die ein Kanzler Gerhard Schröder noch für die Sozialdemokratie gewinnen konnte.”
Der Linksruck der SPD manifestiere sich auch bei einem Thema, das nur scheinbar an Brisanz verloren habe, der Bahn-Privatisierung. Den meisten Sozialdemokraten komme es ganz gelegen, dass durch die Finanzkrise die Bedingungen für einen Börsengang so schlecht geworden seien, dass sich der Teilverkauf des Staatskonzerns nicht lohne. Das könne sich aber schnell wieder ändern. Deshalb betrachtet es Jens Tartler als politischen Opportunismus, die Privatisierung für die gesamte nächste Legislaturperiode auszuschließen.
Namhafte Ökonomen warnen vor einer möglichen “Hyperinflation”
Henrik Müller betrachtet in seinem Beitrag Weltwirtschaftskrise - Die Geldbombe auf manager-magazin.de mögliche Inflationsrisiken.
“Es gibt kein subtileres und besseres Mittel zum Sturz der bestehenden Gesellschaftsordnung als die Ruinierung der Währung”, hatte John Maynard Keynes, der große Ökonom der Weltwirtschaftskrise, bereits gewarnt.
Namhafte Ökonomen wie Joachim Fels, Londoner Chefvolkswirt von Morgan Stanley, warnen auch jetzt vor einer möglichen “Hyperinflation” - nicht in desolaten Entwicklungsländern wie Simbabwe, sondern hier, im reichen Westen.
“Angesichts der derzeitigen und noch kommenden wirtschaftlichen und finanziellen Probleme” und angesichts all des Geldes, das Notenbanken und Regierungen derzeit in die Wirtschaft pumpten, sollten die Bürger das Risiko einer Hyperinflation “nicht ignorieren”, sondern sich darauf vorbereiten, meint Fels.
Hyperinflation - das bedeutet Geldentwertungsraten von 50 Prozent und mehr, pro Monat.
Könnte die Hyperinflation tatsächlich zurückkehren? Natürlich, es wäre ein Extremszenario, meint Joachim Fels: ein “long tail event”, ein Ereignis ganz am Rand der statistischen Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Henrik Müller: “Auch wenn eine Hyperinflation derzeit noch abwegig erscheinen mag: Eine schleichende, vielleicht auch galoppierende Geldentwertung mit Raten zwischen 5 und 20 Prozent wie in den 70er Jahren erscheint vielen Fachleuten inzwischen als durchaus realistisches Szenario.”
Heribert Prantl sieht in seinem Kommentar auf sueddeutsche.de die Banken als “Versager in der Krise” (14. April 2009, Auszug):
Erst versagen sie, jetzt stehlen sie sich aus der Verantwortung: Bei den Bankern mangelt es an Selbstkritik, dem Eingeständnis von Fehlern - und an einem Schuldbekenntnis. Verantwortung heißt auch deswegen so, weil der Verant-wort-liche zuerst das richtige Wort dafür finden, und dann die richtigen Konsequenzen und Lehren daraus ziehen muss.
Regulierungsversagen, Staatsversagen? Bei dieser Argumentation versagt aber offensichtlich das Erinnerungsvermögen derer, die so argumentieren: Der Staat hat nämlich nicht “versagt”, sondern genau das getan, was die Ideologen des völlig freien, ungezügelten Marktes verlangt haben: Der Staat hat sich aus dem Finanzmarkt forderungsgemäß weitgehend herausgehalten.
Der Staat war nicht Versager, sondern Verführter. Er wurde verführt und in die Irre geführt von den Lehren derer, die ihn jetzt Versager nennen, es aber selber sind. Erst haben sie versagt, jetzt stehlen sie sich aus der Verantwortung. Mit solchen Ökonomen ist das Vertrauen in die Wirtschaft nicht wiederherzustellen. Eine neue Führungsgeneration muss die Führung und die Verantwortung übernehmen.


