Kanzlerin entfesselt Begeisterung - und kleinmütige Mäkelei

Kapitol (Washington)

Kapitol (Washington)

Foto: Scrumshus
public domain

Bravo, Kanzlerin! Gabor Steingart kommentiert Angela Merkels Rede vor dem US-Kongress mit Begeisterung. Die Kanzlerin habe große Erwartungen erfüllt. Sie habe bewiesen, dass sie Visionen und Zuversicht vermitteln kann. Spiegel Online - Gabor Steingart: “Diese Rede war größer als ihre bisherige Kanzlerschaft.”

Angela Merkel hat in ihrer Rede geschichtliche Ereignisse eingeordnet und wichtige Sätze ausgesprochen: “Nichts steht mehr für diese Bundesrepublik Deutschland als ihre Verfassung, das Grundgesetz. In Artikel 1 dieses Grundgesetzes heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser kurze, einfache Satz - Die Würde des Menschen ist unantastbar - er war die Antwort auf die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, auf den Mord an 6 Millionen Juden im Holocaust, auf Hass, Verwüstung und Vernichtung, die Deutschland über Europa und die Welt gebracht hat.”

Manche Medien reagierten mit kleiner Münze auf den historischen Auftritt der Kanzlerin vor dem US-Kongress. sueddeutsche.de: “Kanzlerin Merkel hat vor dem US-Kongress eine sehr deutsche Rede präsentiert - klare Antworten blieb sie schuldig.” Zeit Online: “Die Kanzlerin erzählte vor dem US-Kongress von ihrer Sehnsucht nach Freiheit in der DDR. Ansonsten blieb sie im Ungefähren – außer mit ihrem Appell an die US-Politiker, mehr für den Klimaschutz zu tun.”

Text der Rede - Kommentare Zeit Online und sueddeutsche.de

Angela Merkel: “In wenigen Tagen schreiben wir den 9. November. Es war der 9. November 1989, an dem die Berliner Mauer fiel, und es war der 9. November 1938, der sich ebenso in das Gedächtnis der deutschen und europäischen Geschichte eingebrannt hat. An dem Tag verwüsteten die Nationalsozialisten Synagogen, setzten sie in Brand, ermordeten Unzählige. Es war der Beginn dessen, was später in den Zivilisationsbruch der Shoa mündete.”

Zeit Online: “Überhaupt, blieb sie oft nur im Ungefähren – bis auf einen einzigen, mutigen Punkt. ‘Ich freue mich,’ sagte sie, ‘dass Präsident Obama und Sie in Ihrer Arbeit dem Schutz unseres Klimas eine hohe Bedeutung beimessen. Wir alle wissen: Wir haben keine Zeit zu verlieren…’ ”

sueddeutsche.de: “Große Reden sind teutonischen Politikern wesensfremd, zumal auf fremdländischem Parkett. Die deutsche Geschichte mahnt stets zu Bescheidenheit, und eine eher biedere Langeweile bildet gewöhnlich den Grundton germanischer Fest-Rhetorik.”

Das Geschenk der Freiheit

Angela Merkel: “20 Jahre, meine Damen und Herren, sind seit diesem überwältigenden Geschenk der Freiheit vergangen. Aber noch immer gibt es nichts, das mich mehr begeistert, nichts, das mich mehr anspornt, nichts, das mich stärker mit positiven Gefühlen erfüllt als die Kraft der Freiheit.”

Zeit Online: “Vierzig Minuten sprach Merkel vor vollem Haus. Es war keine großartige, aber ein große Rede. Wie es die Amerikaner lieben, erzählte sie von sich und ihrem Leben hinter Stacheldraht.”

sueddeutsche.de: “… auch in den Vereinigten Staaten erwartet niemand ein Feuerwerk, wenn die Berliner Kanzlerin in Washington ans Pult tritt. Insofern hat Angela Merkel am Dienstag eine sehr anständige, sehr deutsche Rede präsentiert - und der Kongress hat ihr dafür mit Wohlgefallen gedankt.”

Die gemeinsame Wertebasis

Angela Merkel: “Das, was Europäer und Amerikaner zusammenführt und zusammenhält, ist die gemeinsame Wertebasis. Es ist ein gemeinsames Bild vom Menschen und seiner unveräußerlichen Würde. Es ist ein gemeinsames Verständnis von Freiheit in Verantwortung. Dafür treten wir in der einzigartigen transatlantischen Partnerschaft und in der Wertegemeinschaft der Nato ein. So wird ‘Partnership in Leadership’ mit Leben erfüllt.”

Zeit Online: “Partnership in leadership, nannte sie das. Allerdings blieb sie eine Antwort schuldig, was genau sie darunter versteht. Zum Beispiel, ob sie dem Drängen Obamas nachgeben und mehr deutsche Truppen entsenden wird.”

sueddeutsche.de: “Doch wie weiter? Dazu mochte die Kanzlerin nur wenig Verbindliches preisgeben. Ihre Washingtoner Rede beschwor westliche Werte und Bündnissolidarität.”

Berliner Morgenpost: Angela Merkels Freiheitsrede

Die Berliner Morgenpost meint: “Angela Merkel hielt vor dem Kongress eine der am stärksten programmatisch geprägten Reden ihrer bisherigen Amtszeit. Sie sprach von den neuen Mauern, die fallen müssten, sie verknüpfte Klima- und Krisenschutz zu einer geistig-moralischern Einheit.

Es klang fast so, als habe sie nun, mit der schwarz-gelben Regierung, doch noch das Konzept einer ‘geistig-moralischen Wende’ formuliert - eine Freiheitspolitik, die frei macht von Klima- und Krisenangst.”

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Kommentare

2 Kommentare zu “Kanzlerin entfesselt Begeisterung - und kleinmütige Mäkelei”

  1. » » Webnews.de am November 4th, 2009 06:24

    Kanzlerin entfesselt Begeisterung - und kleinmütige Mäkelei

    Die Kanzlerin hat in ihrer Rede vor dem US-Kongress geschichtliche Ereignisse eingeordnet und wichtige Sätze ausgesprochen. Sie hat Visionen und Zuversicht vermittelt. Begeistert reagiert Gabor Steingart, Spiegel Online: “Bravo, Kanzlerin!” Mit kleinmütigem Gemäkel reagieren sueddeutsche.de und Zeit Online: “Klare Antworten blieb sie schuldig.”

  2. » » Twitter am November 4th, 2009 20:56

    […] Bravo, Kanzlerin! Gabor Steingart kommentiert Angela Merkels Rede vor dem US-Kongress mit Begeisterung. Die Kanzlerin habe große Erwartungen erfüllt. […]

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