Inflation oder Deflation - was ist die Gefahr der Krise?
![]() |
Überprüfung von Banknoten |
| Foto: Deutsche Bundesbank |
| © Deutsche Bundesbank |
Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, sieht keine Bedrohung der Geldwertstabilität: “Die Deflationsgefahr ist deutlich größer als Inflationsrisiken.”
Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in einer lange andauernden Rezession mit deflationären Tendenzen stecken bleibe, sei derzeit deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit einer mittelfristig stark steigenden Inflation.
Hingegen glaubt der Präsident der Bundesbank, Axel A. Weber: “Wir müssen mittelfristig eher Inflation befürchten. Entsprechend müssen wir handeln: Sobald die Krise vorbei ist, werden wir die Zinsen schnell wieder anheben müssen.”
EZB entscheidet über den Leitzins
In der kommenden Woche wird die EZB über den Leitzins entscheiden. Einige Volkswirte rechnen mit einer Senkung um einen halben Prozentpunkt auf dann 1,5 Prozent. Seit Einführung des Euro im Jahr 1999 lag der Leitzins noch nie niedriger.
Bundesbank-Chef Weber spricht sich klar gegen eine Nullzinspolitik nach dem Vorbild Japans oder der USA aus.
Weber rechnet allerdings möglicherweise schon ab Mai wegen gefallener Energiepreise für einige Monate mit “negativen Inflationsraten in Deutschland”, sieht aber keine Deflations-Gefahr.
Der Spielraum für eine aktive Ausgabenpolitik Deutschlands sei allerdings mit dem zweiten Konjunkturpaket ausgeschöpft. Das Haushaltsdefizit liege im Jahr 2009 schon bei etwa drei Prozent, im nächsten Jahr werde es vier Prozent erreichen.
Gustav A. Horn ist überzeugt, dass trotz aktuell hoher Kreditaufnahme die staatliche Konjunkturstabilisierung auch nach dem Abflauen der Krise mit der Geldwertstabilität vereinbar ist.
Bei Inflationsgefahr möglicherweise die Steuern erhöhen
“Die aktuellen Daten liefern keine Basis für Warnungen, der Staat treibe die Inflationsgefahr hoch, wenn er zur Stabilisierung der Wirtschaft zusätzliche Kredite aufnimmt”, sagt Horn.
![]() |
“Und das hat einen sehr grundsätzlichen Grund: Solche Befürchtungen beruhen auf einem Denkfehler.”
In der gegenwärtigen Krise fülle der Staat mit seiner schuldenfinanzierten Ausgabenexpansion lediglich eine Lücke, die private Wirtschaftssubjekte durch fallenden Konsum und fallende Investitionen lassen.
“Die private Kreditnachfrage geht in einer Krise stark zurück: Einmal, weil die Banken Risiken scheuen, zum anderen, weil viele Unternehmen und Privathaushalte wegen schlechter Absatzaussichten oder Einkommensunsicherheit auf Anschaffungen verzichten”, so Horn.
Wenn der Staat Kredite aufnehme, um den Nachfrageausfall bei Konsum und Investionen zu kompensieren, verhindere er ein Abgleiten der Wirtschaft in Rezession und Deflation, ohne einen darüber hinausgehenden Inflationsdruck zu verursachen.
Sobald sich die Konjunktur wieder beschleunige, müsse der Staat natürlich seine Strategie ändern und die Konjunkturprogramme zurückführen, sagt der Ökonom. “Aber erst dann, und so weit sind wir leider noch lange nicht.”
“Wenn sich die Politik angemessen verhält und beispielsweise auf gesamtwirtschaftlich unsinnige Steuersenkungen verzichtet und bei Inflationsgefahr die Steuern möglicherweise sogar erhöht, geht vom staatlichen Verhalten auch nach dem Ende der Krise keine Inflationsgefahr aus”, erklärt Horn.
Paul de Grauwe formuliert in seinem Gastkommentar “Lob der Unbeweglichkeit” in der Financial Times Deutschland (26.2.2009, Auszug):
Flexible Märkte galten bislang als wirtschaftliches Erfolgsrezept. In der aktuellen Schuldendeflation verschärfen sie die Krise. Länder mit starren Löhnen sind im Vorteil.
Das ökonomische Konzept, das sich während der vergangenen Boomjahre entwickelte, fußte auf der Idee der Flexibilität: Wirtschaftlich erfolgreich waren Länder, die beim Warenverkehr und auf dem Arbeitsmarkt Flexibilität zuließen. Es winkte rasches Wachstum, wenn sie zuließen, dass Unternehmen ohne Einschränkung einstellen und entlassen konnten, und wenn Lohnvereinbarungen rasch der aktuellen Konjunkturlage entsprechend nach oben oder unten korrigiert werden konnten.
Der Gedanke, dass Flexibilität gut und Starrheit schlecht ist, beeinflusst auch weiterhin die Denkweise von Entscheidern und Analysten. Beispielsweise bewerten Ratingagenturen US-amerikanische und britische Schuldtitel weiterhin gut. Grundgedanke hier ist, dass diese Länder sich aufgrund ihrer größeren Flexibilität besser an die Krise anzupassen vermögen, als es starre Länder wie Spanien, Italien und Irland können.
Das Gegenteil ist der Fall. Starre Löhne, Beschäftigung und soziale Sicherheit ermöglichen es Ländern heutzutage, besser mit der enormen Starrheit fertig zu werden, die das feste Schuldenniveau Privathaushalten und Unternehmen auferlegt. Wir sollten für diese Unbeweglichkeit dankbar sein.
Kommentare
3 Kommentare zu “Inflation oder Deflation - was ist die Gefahr der Krise?”
Schreibe einen Kommentar




Diese niedrige Inflation ist für uns Sparer einfach nur eine Katastrophe!
Endlich hat die “Unbeweglichkeit” mal Vorteile.
Ich bin mal gespannt wie 2011 wird. LG