EZB und Politik reagieren viel zu zögerlich auf die Krise

Konjunktur

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Foto: Gerd Altmann
© geralt / PIXELIO

“Die USA haben - ebenso wie zum Beispiel China - viel schneller und viel energischer Maßnahmen ergriffen, um die Konjunktur zu stützen”, sagt Felix Schleicher, Portfoliomanager von IPG und Mitautor einer Kurzstudie der Analysten der IPG Investment Partners AG.

Laut Felix Schleicher steht zu erwarten, dass Europa länger braucht, um wieder auf die Beine zu kommen, als beispielsweise die USA. Auch der Träger des Wirtschaftsnobelpreises 2008, Paul Krugman, wirft Europa und Deutschland vor, bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise zu versagen. In einem Interview mit dem stern sagte der Ökomom: “Europa patzt. Deutschland war bislang nur ein riesiger Stolperstein, ein gewaltiges Hindernis.”

Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen erklärte über die “Bild“-Zeitung, dass sich Deutschland zwar in der schwersten Rezession seit 1945 befinde, gleichzeitig bekräftigte sie aber das Rezept, mit dem sie weiterhin vorgehen will: Maßhalten.

Deutschland begreift das gewaltige Ausmaß der Krise immer noch nicht

Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe ist im Januar vorläufigen Angaben zufolge preis- und saisonbereinigt außerordentlich kräftig um 7,5 % zurückgegangen.

Sowohl die Industrieproduktion als auch die Erzeugung im Bauhauptgewerbe verbuchten deutliche Produktionseinbußen von 8,4 % bzw. 7,8 %.

Innerhalb der industriellen Hauptgruppen kam es bei den Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten zu starken Rückgängen von 8,1 % bzw. 12,3 %. Die Konsumgüterproduzenten verringerten ihren Ausstoß leicht um 0,4 %.

Im Zweimonatsvergleich (Dezember/Januar gegenüber Oktober/November) nahm die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe deutlich um 9,4 % ab. Ausschlaggebend hierfür war der kräftige Rückgang der Industrieproduktion von 10,6 %.

Derzeit ist ein Ende der Talfahrt nicht absehbar. Der Absturz im vierten Quartal 2008 mit minus 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum Vorquartal scheint sich im ersten Quartal 2009 fortzusetzen. Neben der Ausfuhr sinken vor allem die Investitionen, weil sich immer mehr Unternehmen auf eine lange wirtschaftliche Durststrecke einstellen.

Noch ist die Nachfrage der privaten Haushalte recht stabil. Doch die Finanzkrise ist nach wie vor nicht ausgestanden. Die Weltbank warnt vor einem realen Rückgang des Weltsozialprodukts in diesem Jahr, ein Ereignis, das es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht gegeben hat.

Die Rufe nach einer zweite Welle staatlicher Konjunkturprogramme werden lauter

Nach Berechnungen der Brüsseler Denkfabrik Bruegel sind die europäischen Konjunkturprogramme deutlich kleiner als die der USA oder Chinas. Zusammen kämen die 27 EU-Staaten 2009 auf einen Umfang von 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die USA hingegen auf 2,0 Prozent und China gar auf 7,1 Prozent. Einige kleinere europäische Staaten wie Dänemark, Irland und Griechenland täten überhaupt nichts.

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erwartet erst für das kommende Jahr das Schlimmste. Der Financial Times Deutschland sagte er: “Wir werden frühestens im Winter 2010 da sein, wo die USA im letzten Herbst waren - die Arbeitslosigkeit wird dramatisch steigen.” Auch Sinn hält ein drittes Konjunkturpaket in diesem Herbst für notwendig.

Der amerikanische Präsidenten Barack Obama hat die wichtigsten Schwellen- und Industrieländer in der Gruppe der 20 aufgerufen, konzertiert etwas dafür zu tun, dass das weltweite Wachstum wieder anspringt. Großbritanniens Finanzminister Alistair Darling hat gefordert, die Nachfrage mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln anzuregen.

Der Chefökonom der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Heiner Flassbeck, hat die bisherigen Konjunkturpakete der Bundesregierung kritisiert und ein drittes Konjunkturpaket verlangt: “Es macht keinen Sinn, wenn der Staat jetzt versucht, Opel, Schaeffler und was weiß ich, wer noch kommt, zu retten und sich hinterher dann verzettelt in hundert verschiedenen Rettungsaktionen. Wichtiger wäre mir, dass man die Konjunktur noch mal massiver stützt, als es bisher geschehen ist - ist sowieso viel zu wenig gewesen -, und dann werden auch wieder Autos gekauft und dann kehrt auch das Vertrauen zurück.”

Webhinweise:

institut1.de - Sprache und Rhetorik

Rhetorik - eine der sieben freien Künste

Thomas Fricke formuliert in seiner Kolumne “Albtraum 2010″ auf ftd.de (13. März 2009, Auszug):

ftd

Deutschlands Drama ist, dass beide Großparteien jetzt mit Agenda-Sauriern als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf ziehen. Mit Herrn Steinmeier, der die Agenda vor sechs Jahren für Herrn Schröder erdacht hat, und das immer noch toll findet. Und mit einer Kanzlerin, die derzeit ganz artig aufsagt, die Deutschen würden ganz bestimmt schneller aus der Krise kommen - als läge sie mit ihrem “Wir Deutschen sind besser als ihr Schluderer” nicht schon seit Monaten peinlich daneben.

Deutschland braucht dringend Politiker, die aufhören, Sprüche zu klopfen, und anfangen, ein neues Konjunkturpaket vorzubereiten - statt auf bisherige Pakete zu verweisen, die überwiegend schlecht gemacht sind und deshalb keine Wunder wirken. So hat es Obama-Berater Larry Summers diese Woche eingefordert.

All das heißt nicht, dass die ein oder andere Agenda-Reform nicht gut gemeint und sogar umgesetzt war. Nur zeigt sich jetzt: Das ist überhaupt kein Garant gegen Arbeitslosigkeit. Die Agenda hat das Land strukturell nur bedingt krisenresistenter gemacht, wenn überhaupt. Für Konjunkturkrisen ist es sogar anfälliger geworden. Gratulation, Herr Schröder.

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Kommentare

One Kommentar zu “EZB und Politik reagieren viel zu zögerlich auf die Krise”

  1. Nyo am März 14th, 2009 13:41

    natürlich, noch mehr Schulden machen, die Zukunft des einstigen halbwegs funktionierenden Sozialstaates vollends verbauen.. lassen wir das Volk irgendwann nur noch für den Abbau der Zinsen arbeiten, die Armen noch mehr ausbluten und dem Staat respektive der Macht von Grosswirtschaft und Hochfinanz die absolute Kontrolle geben, um jeden Aufstand im Keim ersticken zu können

    es ist so peinlich, diese ganzen selbsternannten ‘Intellektuellen Ökonomen’ und ‘Wirtschaftskenner’ sollten anfangen ihre Augen aufzumachen und endlich von ihrer endlosen Gier ablassen.

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