Die Klassen sind zu groß und zu viele Stunden fallen aus

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Nach Meinung der Deutschen sind zu große Klassen und zu viele ausfallende Stunden die größten Missstände an den Schulen. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) unter 1.807 Deutschen im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland ergab: 61 Prozent der Befragten sehen in der zu hohen Schülerzahl je Klasse und 53 Prozent in zu vielen ausfallenden Stunden den dringlichsten Verbesserungsbedarf.

Rechtschreibung und Grammatik, gefolgt von Mathematik und Englisch, sind die Unterrichtsinhalte, die für besonders wichtig gehalten werden. Nur 32 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, dass historische Kenntnisse besonders wichtig sind.

Die Mehrheit der Befragten tritt dafür ein, Schüler stärker ihrer Begabung entsprechend zu fördern und auf das Berufsleben vorzubereiten. Vom verstärkten Einsatz von Computern (23 Prozent), von einem stärkeren Wettbewerb zwischen den Schulen (8 Prozent) oder von einer früheren Einschulung (3 Prozent) erwarten nur wenige einen Beitrag zur Verbesserung der Bildungsqualität.

Das Verständnis für Lehrer wächst, doch es gibt auch Kritik

Die Allensbachumfrage weist auf ein wachsendes Verständnis für Lehrer hin, doch nach wie vor gibt es auch Unzufriedenheit.

“Das hat viele Gründe”, meint die WAZ, “ein Grund taucht leider nur ganz selten in der Debatte auf: Kennen sich Eltern und Lehrer überhaupt? Begegnen sie sich außerhalb des Zehnminutentakts von Elternsprechtagen? Haben Eltern und Lehrer überhaupt die Chance, aus den Schützengräben der Schulfront zu kriechen? Das wäre mal eine Umfrage wert.”

Frage man Eltern, was sie von den Lehrern ihrer Kinder halten, könne man haarsträubende Geschichten hören: “Von grenzdebilen Pädagogen, Steinzeitmenschen mit Lehrerlaubnis, von Monstern, Ungeheuern, Schreckgestalten. Erstens hört man das, weil tatsächlich nicht alle Lehrer so sind wie in Bullerbü oder in den amerikanischen Highschool-Filmen, wo regelmäßig pädagogische Superta-lente komplett durchgeknallte Schulklassen wieder auf Vordermann bringen dürfen. Zweitens hört man das, weil das solidarische Aufseufzen unter den zuhörenden Eltern umso größer ausfällt, je drastischer die Geschichte ist. Was man viel seltener hört: Dass Eltern zufrieden sind mit den Lehrern ihrer Kinder.”

Die Wertschätzung für Lehrer muss auch etwas kosten dürfen

Die Lausitzer Rundschau kommentiert die Allensbachumfrage: “Mit der Schule ist es wie mit dem Fußball: So, wie wir alle perfekte Bundestrainer wären, so könnten wir - als Eltern, Großeltern, Ausbilder oder sonst wie Betroffene - auch die Bildung ratzfatz auf Vordermann bringen.” Das zumindest suggeriere so manches Gespräch am Kantinentisch oder in der Kneipe.

Die Lausitzer Rundschau weiter: “Eine repräsentative Umfrage brachte jetzt jedoch erstaunliche Ergebnisse: Der Mensch, auf Herz und Nieren geprüft, ist klüger als erwartet. Denn die Mehrheit der Befragten hielt sich mit simplen Schuldzuweisungen an ‘die faulen Lehrer’ zurück. Als Grundprobleme des Bildungssystems wurden zu große Klassen, schlechte Förderung von Migranten und zu hohe Stundenausfälle genannt - Defizite, die seit Jahren bekannt sind.”

Wer diese Defizite allerdings beheben wolle, brauche Geld: “Geld für gute - für gut ausgebildete und gut motivierte - Lehrer. Dieses Geld einzufordern, ist Aufgabe der Gesellschaft. Sie muss der Politik immer wieder signalisieren, dass Bekenntnisse zur ‘Bildungsgesellschaft’ keine Worthülsen bleiben dürfen. Wer Lehrer wertschätzt, schätzt Kinder wert. Und diese Wertschätzung muss auch etwas kosten dürfen.”

Bernhard Hänel kommentiert unter dem Titel “Lehrer-Image Leistung zählt” in der Zeitung Neue Westfälische (26. März 2009, Auszug):

Neue Westfälische

Gutes Gehalt, ein sicherer Arbeitsplatz und viel Freizeit: dieser Dreiklang prägt seit Jahrzehnten der Deutschen Bild vom Lehrer. Altkanzler Gerhard Schröder fasste dies in dem nassforschen Urteil über die Berufsgruppe zusammen: “Faule Säcke”.

Die Mehrheit der Deutschen hat zum Glück über Lehrer ein besseres Urteil. Und je näher die Menschen an Schule sind, um so differenzierter fällt es aus. Denn Erfahrung macht klug. Ein Anlass zum Jubel aber ist nicht gegeben, wenn nur 42 Prozent dem ihnen bekannten Lehrer “eine Liebe zu seinem Beruf” zuschreiben. Für gelingende Pädagogik ist das viel zu wenig.

Hier dürfte auch einer der wesentlichen Gründe dafür liegen, dass Eltern den Lehrern ihrer Kinder häufig mit so viel Skepsis und Distanz begegnen. Denn zur Liebe zum Beruf gehört Engagement und Liebe zu Kindern. Ist beides nicht spürbar, wird aus Distanz schnell Ablehnung. Doch nur dort, wo Eltern und Lehrer sich achten und gemeinsam an einem Strang ziehen, kann Erziehung gelingen und schulischer Erfolg.

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Kommentare

One Kommentar zu “Die Klassen sind zu groß und zu viele Stunden fallen aus”

  1. - de.soc.politik.misc am März 27th, 2009 00:26

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