Der Zusammenhang von Sprache, Bildung und Erziehung

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Bildung wird weitgehend über Sprache vermittelt, darüber herrscht Einigkeit. Sprache bildet Begriffe, um Informationen zu ordnen, Sprache differenziert, um Sachverhalte abzugrenzen, Sprache findet Worte, um die Gefühlswelt zu beschreiben.

Von Gunhild Simon - blog1.institut1

Sprache lässt sich in Schriftzeichen umsetzen, sodass Gedanken festgehalten, vermittelt, nachvollzogen und rezipiert werden können. Die Fähigkeit zu hören, zu sprechen, schließlich zu lesen und zu schreiben sind Kulturtechniken, die das gesellschaftliche Leben unabdingbar impliziert.

Ohne diese Kulturtechniken bliebe der Einzelne, der Verantwortung für sich zu übernehmen hat, in einer hochentwickelten Gesellschaft chancenlos.

Erziehung und Bildung

Erziehung und Bildung werden oft in einem Atemzug genannt. Und tatsächlich umfasst der lateinische Begriff educatio, ebenso wie der französische éducation, der spanische educación und der englische education beides gleichermaßen.

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Das lateinische Verb educere, das ihm zugrundliegt, ist vielschichtig. Es beschreibt den figürlichen Prozess des Auf- und Heranziehens. Im poetischen Sinn bedeutet es emporziehen, in die Höhe führen.

Das Verb educare bezeichnet den metaphorischen Begriff des Erziehens, des Groß- und Aufziehens des Nachwuchses. Schließlich ist auch das Verb edocere mit der Bedeutung belehren ganz in der formalen Nähe angesiedelt.

Die Verantwortlichen für Erziehung und Bildung

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Der primäre Prozess seiner Eingliederung in die Gesellschaft ist die Sozialisation. Darin werden ihm die Wege gezeigt, wie er sich einfügen und erfolgreich leben kann. Die Eltern sind die ersten Mittler und Wegweiser, der Kreis erweitert sich über Verwandte, Freunde und Nachbarn, schließlich treten öffentliche Institutionen wie Kindergarten und Schule hinzu. Sie alle haben die Aufgabe, von Werten ausgehend, gesellschaftliche Normen und Verkehrsformen zu vermitteln. Denn diese regeln das Leben und geben Sicherheit.

Bildung als sekundärer Prozess

Erziehung ist die Pflicht. Sie dient dem gesellschaftlichen Wesen Mensch und auch der Gesellschaft als Gesamtheit. Bildung ist, um in diesem Bild zu bleiben, der sekundäre Prozess, die Kür: sie ist in ihren Inhalten nicht normativ. Hierzu bedarf es neben Lernstrategien, Disziplin, Frustrationstoleranz und Umgangsformen insbesondere der Kulturtechniken Sprache und Schrift. Diese Qualitäten, die durch Erziehung vermittelt werden, münden in Bildung.

In dem Wort Bildung steckt das Verb bilden. Das bedeutet auch formen. Darin drückt sich der Wille zur Formgebung aber auch ein ihr innewohnendes Ideal aus. Bildung ist ein Kulturgut. Es ist eine Art Wissen, das nicht grundsätzlich überlebensnotwendig ist, jedoch innerhalb einer Gesellschaft den Hort geistiger Werte umfasst. Sie formt idealerweise den Menschen, vermittelt Einsicht, Überblick, Entwicklung, Weisheit – aus dem Blickwinkel anderer auch Ansehen und Achtung. Eine Gesellschaft bietet Bildung und Ausbildung an – ja, sie fordert beides ein – um zu fördern und auszubauen, was an Gaben und Fähigkeiten nicht brach liegen darf. Kräfte und Güter, deren Bestand von vitalem Interesse und unmittelbarem Nutzen ist. Der Einzelne ergreift dieses Angebot, weil Wissen, Kultur und Kunst das Dasein erfüllter, zufriedener und glücklicher machen. Aber auch, weil damit Möglichkeiten ökonomischen Aufstiegs und sozialen Prestiges verknüpft sind. Damit hat Bildung im besten Sinne auch eine soziale Komponente: gesellschaftliche Verantwortung.

Bildung kostet Geld

Es liegt in der aktuellen Praxis der Vermittlung von Bildung begründet, dass sie überwiegend diejenigen erreicht, die die Mittel zur Verfügung stellen können. Denn Bildung kostet Geld. Dies steht in bildungsnahen Schichten häufiger bereit.

Damit Bildung nicht ein Privileg einer dafür bemittelten Schicht bleibt, damit sich intellektuelle und wissenschaftliche Eliten nicht nur aus sich selbst speisen, hat der Staat den grundlegenden Bildungsauftrag übernommen. Das schlägt sich nieder in den Benennungen der dafür vorgesehenen Bildungseinrichtungen »allgemeinbildende – und berufsbildende Schulen«. Der Bildungsbegriff wird so verstanden zu einem öffentlichen Interesse.

Bildung spiegelt sich wider im gesamten Spektrum von angesammeltem Wissen, das sich im Fächerkanon der Schule, in den Fakultäten der Universität zeigt – Naturwissenschaften, Geschichte, Philosophie, Theologie, Kunst, Musik, Literatur, Sprache und Sprachen.

Bildung und Erziehung sind gesellschaftlicher Auftrag

Erziehung und Bildung sind also ein gesellschaftlicher Auftrag. Zunächst und primär obliegt er dem Elternhaus, im weiteren Verlauf beauftragt die Gesellschaft den Staat damit, jungen Menschen Zugang zu den Bildungseinrichtungen zu verschaffen. Chancengleichheit umreißt dieses Ziel einer sozialen und gerechten Idee von Gesellschaft. Erziehung und Bildung sind also in einer modernen Gesellschaft untrennbar miteinander verknüpft.

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Kommentare

3 Kommentare zu “Der Zusammenhang von Sprache, Bildung und Erziehung”

  1. » » Guillermo am Februar 11th, 2010 12:43

    Kleine, edukative Korrektur: auf Spanisch heisst das nicht educatión sondern educación…
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  2. » » Hartmut Dresia am Februar 11th, 2010 20:55

    @ Guillermo

    Vielen Dank. Korrektur wurde ausgeführt.

  3. » » Frank Jermann am Juli 28th, 2010 08:13

    Zitat: “Ohne diese Kulturtechniken bliebe der Einzelne, der Verantwortung für sich zu übernehmen hat, in einer hochentwickelten Gesellschaft chancenlos.”

    Ich bin an diesem Satz hängen geblieben. Nach viermaligem Lesen habe ich mich gefragt, wieso hier der Konjunktiv benutzt wurde. :-)

    Ein sinkendes Bildungs- und Sprachniveau prägt unsere Gesellschaft mehr und mehr. Die Gruppe der sprachlich einfach strukturierten Menschen wächst. Seit Jahren haben (vor allem die Fernseh-)Medien diese als Zielgruppe entdeckt, der Begriff “Unterschichten-Fernsehen” ist nicht zufällig entstanden.

    Bin ich zu sehr Kultur- und Gesellschaftspessimist, wenn ich meine, dass der Begriff “chancenlos” hier aus der Sicht des heutigen Bildungsbürgers eingesetzt wird — diese Perspektive aber immer mehr an Relevanz verlieren wird, je mehr das Bildungsniveau in der Breite sinkt?

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