10. November - Friedrich Schiller hat seinen 250. Geburtstag
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Portrait Friedrich Schiller |
| Bild: Anton Graff (1785) |
| gemeinfrei |
Heute auf den Tag genau vor 250 Jahren wurde er in Marbach am Neckar geboren: Johann Christoph Friedrich von Schiller. Das “von” trägt er seit 1802, dem Jahr, in dem er geadelt wurde.
Er ist einer der bedeutendsten deutschen Dichter. Nennt man Goethe und Thomas Mann, so fällt auch bald sein Name. Schillers Theaterstücke zählen zum Standardrepertoire deutscher Bühnen, seine Balladen gehören zu den beliebtesten deutschen Gedichten, sie erwärmen nicht nur feinfühlige Frauenherzen.
Schiller war stürmisch und drängend, doch auch traditionsbewusst - wenn nicht gar spießig. So verbrachte er im September 1794 zwei Wochen im Hause Goethes. Schiller pflegte seinen gewohnten Tagesablauf, er schlief bis mittags und arbeitete nachts.
Wikipedia berichtet über den Aufenthalt: “Im Wissen um Schillers Traditionsbewusstsein vertuschten Goethe und seine langjährige Lebensgefährtin Christiane Vulpius ihre ‘wilde Ehe’. Das Versteckspiel muss in den zwei Wochen einen ungewöhnlichen logistischen Aufwand im Hause Goethes verursacht haben. Christiane und ihr fünfjähriger Sohn August blieben im eigenen Haus unsichtbar.”
Thomas Manns Laudatio auf Schiller
Zum 150. Todestag Schillers am 9. Mai 1955 verfasste Thomas Mann einen Essay, Versuch über Schiller, aus dem er am 8. Mai 1955 in Stuttgart und am 14. Mai 1955 in Weimar seine Festreden bei den Schiller-Feiern hielt.
Thomas Mann erweist sich als Bewunderer Schillerscher Tatkraft und er schildert dessen Weg von Den Räubern bis zum Demetrius-Fragment.
Der Essay enthält auch polemische Wendungen gegen die “frechen Romantiker”, die Schillers Pathos verlachten. Thomas Mann zitiert Goethe: “Ich nehme mir die Freiheit, Schiller für einen Dichter, und für einen großen zu halten!”
“Geliebter Freund!” hat Schiller einmal Goethe in einem Brief angesprochen. Doch der Pragmatiker aus Weimar mochte diesen Ton so nicht erwidern. Der Geist habe Schiller aufgefressen, die Idee der Freiheit ihn buchstäblich getötet, meinte Goethe nach Schillers frühem Tod mit 45 Lebensjahren: “Es ist betrübend, wenn man sieht, wie ein so außerordentlich begabter Mensch sich mit philosophischen Denkweisen herumquälte, die ihm nichts helfen konnten.”
Goethe bedauerte einerseits, dass “in Schillers Gegenwart die Kunst manchmal zu einer gar zu ernsthaften Angelegenheit wurde”. Doch er konnte ihn auch entschieden verteidigen: “Ihr seid alle viel zu armselig und irdisch für ihn.”
Thomas Mann wehrt sich in seinem Essay Versuch über Schiller gegen den Eindruck, er hielte Goethe für den größeren deutschen Dichter. Er zitiert Schiller mit dem Satz: “Aber ich habe mir eigentlich ein eigenes Drama nach meinem Talente gebildet, welches mir eine gewisse Excellence darin gibt, eben weil es mein eigen ist.”
Goethes Fazit überzeugt: “Da streiten sich die Deutschen, wer größer sei, Schiller oder ich. Froh sollten sie sein, daß sie zwei solche Kerle haben, über die sie streiten können.”
Kommentar der Neuen Osnabrücker Zeitung: Schiller lesen!
Neue Osnabrücker Zeitung: “Schiller als höheres Bildungsgut, als Erinnerung an den Deutschunterricht, als Zitatelieferant für jede Gelegenheit: Das alles ist vollkommen richtig und zugleich grundfalsch. Denn Schiller ist vor allem eines - ein Autor für jeden Tag, eine Orientierungsfigur für die Gegenwart. Und das nicht, weil er ewige Weisheiten wie Fixsterne an unserem Kulturhimmel platziert hätte.
Natürlich hat sich die Welt seit den Zeiten des Klassikers weiter gedreht. Aber seine Tugenden sind heute so viel wert wie vor zwei Jahrhunderten. Schiller führte eine klare Sprache. Er stellte die Freiheit in das Zentrum seines Denkens. Und er reklamierte den Anspruch des Menschen auf die Verwirklichung seiner unverkürzten Existenz.
Gegen Monarchenthrone müssen wir heute nicht anrennen. Aber Schillers Agenda ist auch die unsere in einer Zeit wachsender sozialer Ungleichheit, zunehmender Überwachung und rigoroser Funktionalisierung jedes Einzelnen. Deshalb kommt dieser Jahrestag gerade recht. Seine Botschaft ist einfach: Lest Schiller!”
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10. November - Wir feiern Friedrich Schillers 250. Geburtstag
Heute vor 250 Jahren wurde Schiller in Marbach am Neckar geboren. Er ist einer der bedeutendsten deutschen Dichter. Nennt man Goethe und Thomas Mann, so fällt auch bald sein Name. Seine Theaterstücke zählen zum Standardrepertoire, seine Balladen sind beliebt. Er war stürmisch und drängend, auch traditionsbewusst - wenn nicht gar spießig.